Wertverlust in Windkraftnähe ist in Deutschland gemessen

Eine 2026 veröffentlichte deutsche Studie wertete Immobilienangebote aus dem Zeitraum 2009 bis 2021 aus. Ergebnis: Windenergieanlagen in 1 bis 2 Kilometern Entfernung senkten die Immobilienpreise im Durchschnitt um 2,1 Prozent. Bei mindestens zehn Windenergieanlagen innerhalb von zwei Kilometern lag der kumulierte Effekt bei rund 3,3 Prozent.

Die Studie findet stärkere Preiswirkungen bei leistungsstärkeren Anlagen sowie in dünn besiedelten und einkommensschwächeren Räumen. Der ländliche Raum ist damit nicht automatisch weniger betroffen – gerade dort fallen die lokalen Wertverluste stärker ins Gewicht.

Quelle: Heuer, F.; Sommer, S. (2026): Distance and intensity effects of renewable energy on property prices: A hedonic price analysis for Germany. Energy Economics 158, 109318. DOI 10.1016/j.eneco.2026.109318.

 

Die erste Anlage kann den Immobilienmarkt besonders hart treffen

Eine zweite Deutschlandstudie aus dem Jahr 2026 kommt mit einer anderen Methode ebenfalls zu einem klar negativen Ergebnis. Im Durchschnitt sanken die Hauskaufpreise in betroffenen Gemeinden um 1,9 Prozent. Besonders stark war der Effekt bei den ersten errichteten Windenergieanlagen: Die Autoren ermittelten hier einen Rückgang der Hauspreise um 5,5 Prozent.

Dieselbe Untersuchung fand außerdem niedrigere Wohnungsmieten, weniger Hotelübernachtungen und weniger Baugenehmigungen für Wohnungen und Häuser. Windenergie verändert damit nicht nur das Landschaftsbild, sondern messbar auch lokale Immobilien- und Standortmärkte.

Quelle: Heim, S.; Liebensteiner, M.; Michelet, F. (2026): Spin city: Local externalities of wind turbines. Energy Economics 158, 109321. DOI 10.1016/j.eneco.2026.109321. 

Starke Sichtbeziehung: 9 bis 14 Prozent niedrigere Preise

Wie stark eine Immobilie betroffen ist, hängt nicht nur von der Entfernung ab. Eine deutsche Studie aus Nordrhein-Westfalen untersuchte ausdrücklich die Sichtwirkung von Windparks. Bei Immobilien, deren Ausblick durch Windenergieanlagen stark beeinträchtigt wurde, sanken die Angebotspreise um 9 bis 14 Prozent.

Das ist für freistehende Häuser und Grundstücke in offenen ländlichen Lagen besonders wichtig. Eine Anlage, die den Horizont und den Ausblick dauerhaft dominiert, wird vom Immobilienmarkt als negative Lageeigenschaft bewertet.

Verkaufen: Windkraftnähe schwächt die Marktposition

Ein Wertverlust entsteht nicht auf dem Papier. Er entsteht am Markt, weil Käufer für eine vergleichbare Immobilie in Windkraftnähe weniger zahlen. Damit wird die Nähe zu Windenergieanlagen beim Verkauf zum Preisargument gegen die Immobilie.

Für Eigentümer bedeutet das praktisch: Der Kreis der Käufer, die den Standort zum bisherigen Preis akzeptieren, wird kleiner. Entweder der Verkäufer akzeptiert einen Preisabschlag oder die Veräußerung wird schwieriger. Einen einheitlichen bundesweiten Wert für zusätzliche Vermarktungstage liefern die deutschen Studien nicht – den niedrigeren Marktpreis dokumentieren sie jedoch klar.

Quellen: https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/windraeder-lassen-immobilienpreise-sinken

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S014098831600044X 

 

Der Wertverlust landet im Privatvermögen

Für viele Familien ist das eigene Haus der größte Vermögenswert ihres Lebens. Wenn eine Planung den Marktwert dieser Immobilie senkt, erscheint dieser Verlust in keiner Stromrechnung und in keiner Projektbilanz. Er landet beim Eigentümer.

Gerade deshalb gehört die Immobilienfrage in jede ehrliche Debatte über lokale Folgen von Windenergie. Einnahmen aus einem Windpark und private Wertverluste sind zwei verschiedene Konten. Wer wirtschaftliche Vorteile eines Projekts nennt, darf die nachgewiesenen Kosten für benachbarte Eigentümer nicht verschweigen.